Mittwoch, 16. Mai 2018

Eine Wanderung von Lucca nach Pisa

Ab und zu konzentriere ich mich eher auf die Toskana als auf Florenz.
Und erzähle gerne von wunderschönen Landschaften und Sehenswürdigkeiten, wie die  Wanderung, die ich neulich gemacht habe und zwar von Lucca nach Pisa den alten Wasserleitungen entlang.

La via degli Acquedotti (der italienische Name) ist ein Wanderweg mit Schildern und vielen Wegzeichen, die so aussehen:


Die Wanderung kann sowohl in Pisa als auch in Lucca anfangen; ich bin mit dem Zug aus Florenz nach Lucca gefahren (1 Stunde 19 Minuten) aber umgekehrt ist es auch möglich.
Man wandert die Wasserleitung entlang, die grosse Arkaden hat und aus dem 19. Jh. stammt.
Der Zweck der Wasserleitung war, gutes Wasser von den Hügeln in die Stadt zu führen.

Die gesamte Wanderung ist 24 Km. lang, man braucht ungefähr 8 Stunden: der Weg ist zum grossen Teil flach, wenigstens in der Nähe der beiden Städten, man muss aber die Berge besteigen, die zwischen den zwei Städten stehen, die sog. Monti Pisani. 
Wenn man will, kann man in Vorno unterbrechen: das ist ein schönes Dorf, mit einer alten Pievekirche und vielen historischen Villen. So wird die Wanderung zu einem 2-Tage-Weg.

Die Landschaft ist wunderbar, vor allem, wo der Herbst alles gelb färbt, oder auch im Frühling beim Auftritt des Grünen.

Als alles aufgebaut wurde, hat man dem öffentlichen Bauwerk ein monumentales Aussehen gegeben, so dass es als Sehenswürdigkeit wirkt: zum Beispiel sehen die verschiedenen Zisternen wie Tempel oder Kirchen aus und selbst die Arkaden sind sehr imposant. 
Das Aquädukt von Lucca wurde vom Grossherzog der Toskana im 19. Jahrhundert aufgebaut.







Am faszinierendsten ist aber ein Ort, wo das Wasser in kleine Wasserfällen geleitet und dann kanalisiert wird; dieser einsame Ort heisst Le parole d'oro (die goldenen Worte, ein toller Name, was?).
Hier ist alles grün und ruhig und schön: le parole d'oro liegt am Fuss des Berges.
Die Bäume sind typisch mediterran (das Meer liegt hier nur wenige Kilometer entfernt) : Pinien, Erdbeerbäumen (mit reifen Früchten drauf!), Zypressen aber auch Kastanienbäume gibt's viele und Kastanien, die man pflücken kann.

Auf der pisanischen Seite ist das Aquädukt viel älter: ein Werk der Medici, bzw. des Grossherzogs Cosimo I. das bedeutet, die Leitungen stammen aus dem 16. Jh: elegant und imposant aber leider auch nicht so gut aufbewahrt.

Trotzdem ist die Wanderung an der schönen Landschaft sehr faszinierend: wandert man den Berg runter, dann liegt das Meer vor uns, das man nur von oben sehen kann.

In kaum eine Stunde erreicht man vom Dorf Asciano die Stadt Pisa.
Könnten wir den berühmten Domplatz mit dem schiefen Turm verpassen? Natürlich nicht!!!



Sonntag, 13. Mai 2018

Francesca, die Komponistin

In der kleinen, aber prunkvollen Kirche Oratorio di Santa Caterina, die in der Nähe von Bagno a Ripoli liegt, habe ich heute eine Kunstausstellung besichtigt.
Am allerletzten Tag heute war Con dolce forza (bei milder Stärke) anzusehen: eine Ausstellung über die florentinischen Musikerinnen und Künstlerinnen der Vergangenheit.
Eine kleine aber interessante Ausstellung, mit Bildern aus den Uffizien und alte Bücher und Gravuren aus den Archiven der Galerie.

Die Frauen, die in Florenz im 16. und 17. Jahrhundert tätig waren, sind viele aber meistens unbekannt. Der Hof der Grossherzoge der Toskana, der Medici, förderte Künstler und Künstlerinnen.
Eine von diesen war Francesca Caccini: die Tochter eines Hofmusikers, die schon mit 13 Jahren vor einem Publikum bei der Hochzeit Mariae de' Medici mit Henry IV, dem König Frankreichs, sang.

Sie sang auf Französisch und auf Spanisch, hatte eine wunderbare Stimme; sie spielte viele verschiedene Instrumente. Aber sie übte viel als Komponistin. Als Frau, als erste Frau sogar,  komponierte sie eine Oper, La liberazione di Ruggiero dall'Isola d'Alcina, wirklich ein Rekord. Dieselbe Oper wird später in Warschau vor dem Prinzen Ladislaw dargestellt: die Oper einer Frau im Ausland.

Bald ward sie zu der bestbezahlten Musikerin am Hof der Medici in Florenz. Ihre Berühmtheit dauerte lange Jahre, aber viele hassten sie. Bis 1628 war sie in Florenz tätig, später zog sie nach Rom, wo sie auch starb.

Ich bin enttäuscht: so eine Rekordfrau und die Stadt Florenz hat ihr keine einzige Strasse gewidmet (ihrem Vater Giulio Caccini aber natürlich doch)



Dienstag, 1. Mai 2018

Villa Bardini: Kann man den Duft fotografieren?

Natürlich nicht oder vielleicht leider nicht, weil es schön wäre, nicht nur Blumen und Farben zu fotografieren, sondern auch Düfte zu fangen.
Es ist Zeit, den Garten von Villa Bardini zu besuchen. An diesn Tagen ist es das Paradies der Blüten.
So sieht es heute in dem Garten von Villa Bardini aus.


Alles blüht. Die rosa Bäume sind spektakulär aber am liebsten mag ich die Glyzinenlaube:
ein Tunnel aus Farbe und Duft, ein herrlicher Traum. Blauregen pur!





Allen zu empfehlen: einen Besuch im Garten der Villa Bardini und kurz danach einen Spaziergang in den schönen Strassen von San Niccolò


Mittwoch, 25. April 2018

Grün, grün, grün sind alle meine Felder

Ende April. Die Temperaturen sind schon sommerlich, es ist aussergewöhnlich warm. Oder vielleicht sollte man denken, dass sowas nicht mehr aussergewöhnlich ist und sein wird - der Planet wärmt sich auf.

Auf jeden Fall hat Frühling aufgebrochen und es ist wunderbar.
Alles grünt: Gras, Weizen, Heu.
Alles scheint.
Ich würde an diesen Tagen nur auf dem Land spazierengehen, ich würde nur im Freien sein und aufatmen.

Die Temperatur ist hoch aber die Luft ist frisch, nicht so brennend wie im Sommer.

Ich habe alle möglichen Tage ausgenutzt und habe wirklich schöne Landschaften gesehen und genossen.
Letzten Sonntag war ich auf den Hügeln der Valdera (in der Nähe von Volterra) und heute in der Nähe von Rufina.

Ich zeige ein paar Bilder. Nehmen Sie die Gelegenheit, wenn Sie vorbei fahren!





Sonntag, 15. April 2018

Collezione Casamonti: moderne Kunstwerke

In Florenz ist ein neues Museum oder besser gesagt eine neue Sammlung zu besichtigen.
Ich war schon da, habe sie bewundert und bin ganz begeistert. Die Sammlung heisst Collezione Casamonti und gehört einem Herrn Roberto Casamonti, der sie zur Verfügung der Stadt gestellt hat.

Am Eingang hat man sofort ein Lustgefühl, denn der florentinische Palast, in dem sie beherbergt ist, ist einer der elegantesten der Stadt - meiner Meinung nach. Es ist der Palazzo Bartolini Salimbeni auf piazza Santa Trinita.


Die Sammlung befindet sich  im ersten Stock und der Eintritt ist frei, bis wenigstens Ende Mai.
Aber welche Kunstwerke sind hier? Das Interessanteste ist eigentlich, dass alle Künstler von  dem 20. Jahrhundert sind. In Florenz leiden wir unter Mangel an moderner Kunst.

Casamonti hat Kunst geliebt und daher gesammelt. Persönlich hat er vor allem Kontakte zu vielen bedeutungsvollen italienischen Künstlern gehabt,  aber auf der Ausstellung findet man auch eine internationale Palette. Picasso, Le Corbusier, Max Ernst, Klee, Kandinski,

Unter den Italienern sind einige phantastische Künstler wie Balla, Rosai, de Chirico, Casorati, Morandi, Fontana.

Die Kollektion dehnt sich in fünf/sechs eleganten Sälen. In einem kleineren Zimmer läuft ein Film durchgehend, in dem Casamonti von seiner Leidenschaft und seiner Bekanntheit bzw. Freundschaft mit vielen Malern erzählt. Leider ist der Video nur auf Italienisch.


Die Collezione Casamonti ist noch nicht bekannt und normalerweise nie überfüllt. Warum ich sie empfehle ist aber auch, dass man in Florenz etwas Neues besichtigen kann. Wenn Sie nicht zum ersten Mal in der Stadt sind, sind Sie dann vielleicht neugierig. Ubrigens sind die Kunstwerke im Moment aus den Jahren 1900-1960.
Nächstes Jahr hat Casamonti vor, die neueren Gemälde auszustellen.


Dienstag, 3. April 2018

Die Parks in Florenz

In der Innenstadt haben wir einige schöne Parks bzw. Gärten. Es sind die grünen Spots von den Privatpalästen der adeligen Familien der Stadt:
Orti Oricellari (die Familie heisst Rucellai)
Giardino Corsini (von der Familie Corsini)
Giardino della Gherardesca (vom Palast der gleichnamigen Familie, heute Four Seasons Hotel)
und natürlich der grosse Giardino di Boboli, die Verlängerung des Palasts der Medici Familie.

Der grösste öffentliche Park der Stadt trägt den Namen Le Cascine. Er liegt am Arno-Ufer und erstreckt sich 4 Km. lang.


Den Park wollten die Medici als Agrarland und als Jagdrevier. Lange Zeit war er nur für die herrschende Familie gemeint aber erst dank Elisa Baciocchi Grossherzogin der Toskana und Enkelin von Napoleon wurde der Park endgültig dem Publikum geöffnet. Das passierte zwischen 1807 und 1815.
Der Park ist gross und wie alle Stadtparks hat er dunklere Seiten bzw. Ecken, wo illegale Aktivitäten in voller Ruhe stattfinden können.
Sonst ist er sehr beruhigend und besonders zu empfehlen, wenn man müde vom Asphalt und Steinen und Museen ist.
Die Leute von Florenz treiben hier Sport oder gehen spazieren. Am Dienstag Morgen wird hier ein grosser Markt gemacht; man kann Lebensmittel und Bekleidung kaufen.


Am liebsten fahre ich hier Rad. Alle Jahreszeiten sind hier angenehm schön: im Herbst sind die grossen und alten Ginko Biloba wunderschön gelb. Im Frühling grünt alles und die Spiraea blüht: das viele Gebüsch ist weiß wie Wolken.
Im Sommer kann man hier ein bisschen Erfrischung finden, denn die Bäume sind dicht.



Schade nur, dass man den Fluss nicht nutzen kann. Es wäre schön, ein Boot zu leihen oder zu baden, aber das ist noch unmöglich.



Freitag, 30. März 2018

Ostern und Florenz (und die Florentiner)

Italien hat viele Traditionen des Osterns, aber hier in Florenz haben wir nur ein Ereignis an Osternsonntag. Der Karren, der die ganze Stadt durchquert kommt auf den Domplatz und wir "angezündet" auf Italienisch Scoppio del carro.
Viele kleine und grössere Böller, die ein grosses Feuerwerk machen, stehen am Karren und werden von einer Lunte in Form einer Taube angezündet. 
Alles findet am 1. April um 11 Uhr auf dem Domplatz statt.



Ich muss zugestehen, dass ich die Zeremonie des Karrens nie gesehen haben: die Touristen lieben es, die Florentiner auch, sie fahren aber auch gerne weg und oft nehme ich mir ein paar Tage Urlaub.
Ostern bedeutet, dass wir den Winter hinter uns haben.
Denn endlich ist es wärmer und die Tage sind länger und wir erblicken schon den Sommer.

Die grossen Schokoladeneier in den Schaufenstern sind den Kindern gewidmet.
Frohes Ostern!
ph. Giulì cioccolato